Informationen zum Studium der

Ingenieurwissenschaften

European Credit Transfer System (ECTS)

Die stärkere internationale Verflechtung der Hochschulausbildung, insbesondere im europäischen Rahmen, wird derzeit in Politik und Medien intensiv diskutiert. Dieses ist ein äußerst wichtiges Thema, und zwar nicht nur für die "großen Ziele" wie die Zukunftssicherung des Wirtschafts-, Forschungs- und Ausbildungsstandortes Deutschland oder für das Zusammenwachsen Europas, sondern auch für die ganz individuellen Aspekte wie etwa die Berufschancen jedes einzelnen Hochschulabsolventen.

Auch und gerade in den Ingenieurwissenschaften müssen sich die Hochschulabsolventen einer bereits heute deutlich spürbaren Globalisierung der Tätigkeitsfelder und des Arbeitsmarktes stellen, gleichgültig, ob sie nach dem Studium in die Praxis gehen oder in der Forschung bleiben. Neben Fachkompetenz werden Auslandserfahrungen, vor allem im europäischen Ausland, eine immer unverzichtbarer werdende Komponente der Hochschulausbildung und ein wichtiger Faktor für den erfolgreichen Berufseinstieg.

Um derartige Zusatzkompetenzen zu erwerben, reicht ein Sprachkurs im Heimatland nicht aus; vielmehr sollten einzelne Praktika, Studien- und Diplomarbeiten, im Idealfall eines oder mehrere Studiensemester im Ausland absolviert werden.

Studienaufenthalte im Ausland wurden in der Vergangenheit oft dadurch erschwert, dass selbst im gleichen Studiengang zwischen dem Heimat- und dem Gastland - z.B. zwischen "Materialwissenschaft und Werkstofftechnik" in Deutschland und "Materials Sciences" in den USA - oft große Unterschiede in Inhalten, Durchführung und Zusammenstellung der Lehrveranstaltungen, in den Prüfungsmodalitäten sowie teilweise sogar im Studiensystem insgesamt existieren und dass demzufolge die Anerkennung von im Ausland erbrachten Studienzeiten und -leistungen sehr schwierig war bzw. - bei restriktiver Handhabung der Spielräume durch die jeweiligen Prüfungssekretariate/Prüfungsausschüsse - sogar "vorsichtshalber" versagt wurde.

Das European Credit Transfer System (ECTS), das im Jahr 1994 von der Europäischen Union (EU) initiiert wurde, ist ein Ansatz, die bestehenden Hürden für die Auslandsmobilität der Studierenden abzubauen. Die EU hatte ursprünglich sogar vor, die Vergabe von Stipendien von der Umsetzung des ECTS an den Hochschulen, die Studenten austauschen, abhängig zu machen. Noch immer andauernde, zum Teil heftig geführte Diskussionen von allen möglichen Seiten haben das konsequente Inkraftsetzen solcher Pläne zwar bisher verhindert, jedoch ist es bei der Beantragung eines Auslandsstipendiums sicher kein Nachteil, wenn man sich auf eine ECTS-basierte Planung des Auslandsaufenthaltes sowie auf eine ECTS-basierte Anerkennungspraxis an der Heimatuniversität beziehen kann.

Im Prinzip geht es bei ECTS darum, Studierenden und Lehrenden (bzw. "Anerkennenden") möglichst bereits im Vorfeld eines Auslandsaufenthaltes mehr und besser strukturierte Informationen bereitzustellen, und zwar

  1. über Arten und Inhalte von Lehrveranstaltungen,
  2. über den "Stellenwert" einer Lehrveranstaltungen innerhalb des Studienganges, in den diese eingebunden ist, und
  3. über Notensysteme bzw. Umrechnungsmöglichkeiten vom Notensystem des einen (europäischen) Landes in dasjenige eines anderen Landes.

Eine weitere Komponente, auf die hier nicht weiter eingegangen sei, ist schließlich die Austauschhochschule selbst - in der Abstufung der Hochschulen gibt es gerade in den Ingenieurwissenschaften große Unterschiede zwischen den einzelnen (europäischen) Ländern, die nur von Fall zu Fall geklärt werden können.

Da sich die Universität des Saarlandes dem internationalen Austausch in Lehre und Forschung in besonderer Weise verpflichtet fühlt, gehört sie zu den Vorreitern in Bezug auf die Anwendung des ECTS. Auch die Fachrichtungen für Materialwissenschaft und Werkstofftechnik und Fertigungstechnik sowie Elektrotechnik unterstützen dies und legen in Form von Broschüren sowie auf Web-Seiten bereits seit einigen Jahren die Inhalte der Lehrveranstaltungen in den von ihnen vertretenen Studiengängen offen.

Mit der vorliegenden Version wird erstmals auch der Punkt 2 des ECTS-Konzeptes erfüllt: In Verbindung mit den jeweiligen inhaltlichen Beschreibungen der einzelnen Lehrveranstaltungen werden zusätzlich die so genannten ECTS-Anrechnungspunkte (AP) angegeben.

Das ECTS-Punktesystem bedarf einer Erläuterung, die im folgenden gegeben wird.

Das Prinzip des ECTS-Punktesystems besteht darin, dass der Arbeitsumfang, den ein Student in einem bestimmten Studiengang während eines Studienjahres zu erbringen hat, einer Zahl von insgesamt 60 so genannten Anrechnungspunkten (AP) gleichgesetzt wird bzw. der Arbeitsumfang eines Studiensemesters einer Zahl von 30 Anrechnungspunkten1. Diese 60 Anrechnungspunkte pro Studienjahr bzw. 30 AP pro Studiensemester werden nun entsprechend dem relativen Arbeitsaufwand, den jede einzelne Lehrveranstaltung innerhalb des jeweiligen Semesters erfordert, auf die einzelnen Lehrveranstaltungen verteilt (Zitat aus dem ECTS-Leitfaden: "Credits ... express a relative value"). Die Anrechnungspunkte, die einer Lehrveranstaltung zugewiesen ("allocated") sind, sind also ein auf einen bestimmten Studiengang an einem bestimmten Standort bezogener relativer Maßstab.

Übersetzt auf deutsche Verhältnisse und Zählmodalitäten2 bedeutet dies:

In Studiensemestern, die sich ganz oder überwiegend aus angeleiteten Lehrveranstaltungen (Vorlesungen, Übungen, Praktika, Seminare) zusammensetzen, errechnet sich die AP-Zahl einer Lehrveranstaltung etwa wie folgt:

Um nicht mit allzu "krummen" Zahlenwerten hantieren zu müssen, werden aber in der Regel gewisse Rundungen durchgeführt (hier jeweils halbe Punkte als kleinster Bruchteil). In der Praxis hat sich eingebürgert, die ECTS-Punkte einer Veranstaltung an hand ihrer SWS-Zahl zu berechnen, wobei 1 SWS 1,5 ECTS-Punkten entspricht.

Projektarbeiten wie Studien- und Diplomarbeiten sind - wiederum entsprechend dem zeitlichen Aufwand bezogen auf ein Studiensemester - gesondert umzurechnen.

Was kann man nun mit ECTS im allgemeinen und mit den ECTS-Anrechnungspunkten im speziellen anfangen?

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass sich internationale Kompetenz noch besser als durch einzelne Studienperioden im Ausland durch voll integrierte grenzüberschreitende Studiengänge erwerben lässt. Hierbei handelt es sich um Studienangebote, die von vornherein gemeinsam von mehreren Partneruniversitäten aus verschiedenen Ländern getragen werden und die den Aufenthalt beim ausländischen Partner als Regelfall (und nicht nur als optionalen Sonderfall) beinhalten. Leider sind derartige Angebote gerade im Bereich der Ingenieurwissenschaften immer noch vergleichsweise selten. Auf Universitätsebene gehört auch hier die Universität des Saarlandes zu den Vorreitern, indem der integrierte europäische Studiengang École Européenne d'Ingénieurs en Génie des Matériaux (EEIGM) bereits seit 1991 läuft.

1 Anstelle des Begriffes "Anrechnungspunkte" findet man manchmal auch der Begriffe "Leistungspunkte" oder "Kreditpunkte". Letzterer ist aber eine eher "schiefe" Übersetzung des englischen Originalbegriffes "credits", der deshalb hier bewusst vermieden wird.
2 Auch bei den Zählmodalitäten gibt es erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern: Während man im Hochschulbereich in Deutschland grundsätzlich nach Semestern (teilweise auch nach Trimestern) rechnet, überwiegt im Ausland eine Betrachtung nach Studienjahren. In Deutschland wird der Umfang eines Faches nach Semesterwochenstunden (SWS) gezählt, also nach der Zahl der in diesem Fach pro Woche gegebenen 45minütigen Unterrichtsstunden. Im Ausland überwiegt die Zählung nach Gesamtstunden (praktisch: SWS-Zahl multipliziert mit der Wochenzahl), wobei aber eine "Stunde" verschiedentlich 60 Minuten lang ist (z.B. in Frankreich).

Webmaster: Letzte Änderung am 23.03.06